LG SJ9 (Test)

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Die kleine wie leichte Fernbedienung liegt gut in der Hand und lässt sich dank großer Tasten treffsicher bedienen.

prosconsDie Soundbar SJ9 von LG verfügt über Dolby-Atmos-Funktion. Ihr steht ein Subwoofer für den Tieftonbereich zur Seite, der drahtlos angebunden wird. Neueste Video-Elektronik macht den wuchtigen Klangriegel zudem fit für UHD-Video samt HDR. Mit 1.000 Euro fallen die Anschaffungskosten jedoch deutlich geringer aus als bei der japanischen Konkurrenz, die 1.500 Euro für ihre Soundbar verlangt.

Ausstattung & Praxis

Gespart wurde aber nicht, weder an Material noch der Verarbeitung des silbergrau schimmernden Kunststoffgehäuses, das mit abgerundeten Ecken eine elegante Figur macht. Der Riegel ist robust, nichts wackelt auf dem Stellplatz. Mit 5,8 Zentimetern Höhe dürfte die 1,2 Meter breite LG-Bar vor die meisten Fernseher passen, ohne das Bild zu verdecken, sie lässt sich aber als elegante Lifestyle-Lösung natürlich auch an die Wand montieren; die dafür benötigten Halterungen gehören erfreulicherweise zum Lieferumfang.

Sämtliche Anschlüsse sind auf der Rückseite zu finden: Je ein HDMI-Ein- und Ausgang schleifen 4K/60p-Signale samt HDR-Metadaten durch den Riegel, der Audio Return Channel (ARC) ermöglicht die Wiedergabe von TV-Sound. Tonsignale gelangen ferner über die Toslink-Buchse, via Bluetooth oder analog über 3,5-mm-Klinke zur LG. Auch Ethernet und WLAN sind an Bord. Der USB-Port dient ausschließlich Wartungszwecken, ein Media-Player ist nicht vorhanden.

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Das Anschlussterminal offeriert Buchsen für HDMI In/Out, Ethernet, 3,5-mm-Klinke und Toslink. Der überklebte USB-Eingang dient nur zu Wartungszwecken.

7 Chassis mit je 43 Watt für die 5.0.2-Kanalwiedergabe sitzen hinter robusten, nicht abnehmbaren Gittern. Je ein Treiber davon wurde links und rechts verbaut und strahlt Töne seitlich ab, zwei weitere Treiber sitzen auf der Oberseite des Gehäuses und projizieren Sound in Richtung Decke, der via Reflexionen zum Hörplatz gelangt. So sollen Töne für die Dolby-Atmos-Wiedergabe von oben hörbar werden, auch ohne physische Deckenboxen.

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An den Gehäuseenden der SJ9 sitzen Treiber, die Schall nach oben und seitlich für 3D-Sound abstrahlen.

Ein gut lesbares Display auf der Gerätefront informiert über den Zustand der Soundbar und getätigte Eingaben, auf ein Bildschirm-Menü muss man allerdings verzichten. Die Steuerung erfolgt entweder über Tasten am Gehäuse oder über eine kleine Fernbedienung, die mit ihren großen Tasten zielsicher zu bedienen ist; dank ARC kann die Lautstärke der Bar auch mit den meisten TV-Fernbedienungen geregelt werden. Selbstredend lässt sich die SJ9 mit LGs „Music Flow“-App  steuern, die Software für Android- und iOS-Geräte sowie Windows-PCs ermöglicht zudem die Installation von Multiroom-Systemen. Das Handbuch erklärt alle Funktionen, es muss jedoch von der LG-Webseite geladen werden; ausgedruckt liegt nur eine Kurzanleitung bei.

LGs App „Music Flow Player“ gibt es für Android- und iOS-Geräte sowie als Software für Windows-PCs. Die App ist logisch aufgebaut und klar strukturiert. Direkt über den Startbildschirm hat man Zugriff auf eigene Lieder und Streaming-Dienste, auf Favoriten, Verlauf, die eigene Playlist und häufig gespielte Songs.

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HOME: Auf einen Blick hat man Streaming-Dienste, Favoriten und Co. unter Kontrolle.

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Einstellungen: Hier kann bzw. muss man u.a. die Lautsprecher hinzufügen.

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Multiroom: So geben 2 Lautsprecher 2 unterschiedliche Musikstücke wieder.

Am unteren Rand erkennt man sofort, aus welcher Quelle man welches Stück abspielt. Mittels Klangeffekten kann man unter anderem Einfluss auf Bässe, Höhen und die Klangverteilung nehmen. Zudem lässt sich ein Weckton individuell konfigurieren. So legt man über die App fest, welcher Lautsprecher einen morgens mit welchem Signal aus den Träumen holen soll.

Darüber hinaus gelingt der Zugriff auf einen Musik-Server, etwa auf eine Fritz!Box. Mit USB-Speicherstick bestückt kann man aus der Ferne die Songs abgreifen und zum Leben erwecken, die auf dem Speicherriegel schlummern. Einen ausführlichen Test des LG-Multiroom-Systems finden Sie übrigens in der letzten audiovision.

Dolby Atmos & DTS inklusive

Die Einrichtung aller Treiber ist schnell erledigt, denn mehr als Bässe, Höhen und den Subwoofer-Pegel kann man mit der Fernbedienung nicht konfigurieren. An Tonsignalen verarbeitet der SJ9-Riegel PCM, Dolby Digital, Dolby Atmos und DTS, jedoch nicht DTS:X; bei Letzterem wird nur der DTS-Kern ausgegeben. Zweidimensionalen Stereo- und Mehrkanalton hieven die Sound-Programme „Movie“ und „Bass-Blast“ via Upmix in die dritte Klangdimension, bei Nutzung der Schaltungen „Standard“, „Music“ und „ASC“ bleiben die Atmos-Boxen stumm. Bei nativem Atmos-Ton können keine Klangprogramme zugeschaltet werden. Fürs Hören zu später Stunde gibt es einen Nachtmodus zur Dynamik-Reduzierung; Dolbys eigenen Dynamik-Begrenzer DRC kann man nur über die App an- bzw. ausstellen. Das Lip-Synch synchronisiert Ton mit dem Bild um bis zu 300 Millisekunden.

200 Watt Bass-Power

Die Soundbar und der 7,6 Kilogramm schwere Subwoofer kommunizieren per Funk. Auf weitere Anschlüsse verzichtet der Woofer, weshalb er nur im Zusammenspiel mit der SJ9 funktioniert. Der rund 30 x 33 x 30 Zentimeter große Würfel arbeitet nach dem Bassreflex-Prinzip mit einem frontal sitzenden Treiber, der von einer 200-Watt-Endstufe befeuert wird. Das Kunststoffgehäuse entspricht der hochwertigen Verarbeitung der Soundbar, alle vier Seiten sind mit schwarzem Stoff überzogen.

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Mit 29,6 x 33,2 x 29,6 (B/H/T) Zentimetern fällt der Bassreflex-Subwoofer kompakt aus. Eine 200 Watt starke Endstufe treibt das nach vorn abstrahlende Chassis an.

Video & Multimedia

Die beiden HDMI-Terminals schleifen 4K/60p-Signale samt HDCP2.2 durch; HDR-10-Metadaten für erhöhten Kontrast und erweiterte Farben werden ebenfalls erkannt. Einen Video-Equalizer oder Scaler besitzt die Soundbar nicht. Gleiches gilt für einen Media-Player. Musik gelangt drahtlos über Bluetooth und WLAN in den Riegel; AirPlay bleibt außen vor.

An Streaming-Formaten werden MP3, WMA, FLAC (bis 192 kHz/24Bit), AAC, OGG und WAV unterstützt. Die „Music Flow“-App hält neben Spotify und tuneIn auch Google-Cast bereit, das Zugriff auf etliche Musik- und Videodienste gewährt.

Tonqualität

Von den vier getesteten Soundbars spielte die LG tonal am ausgewogensten und damit natürlichsten. Ihr Klang schmeichelte den Ohren mit feiner Auflösung, weichen Höhen und kräftigen Bässen; Letztere schallten zwar nicht übermäßig präzise, aber druckvoll und mit Volumen. Für Sound aus einem Guss sollte der Woofer nahe der Soundbar platziert werden.

Mit insgesamt 500 Watt (laut LG) fallen die Leistungsreserven auf dem Papier üppig aus, in der Praxis relativiert sich die empfundene Lautstärke jedoch im Verhältnis von Raumgröße und Sitz-abstand. Für Wohnzimmer über 30 Quadratmeter scheint uns die LG nicht kraftvoll genug, zumal bei Maximalpegel der Sound angestrengter klingt; Verzerrungen waren nur minimal zu hören. Für kleine und mittlere Zimmer besitzt der Riegel aber ausreichend Power, um Blockbuster wie „Deepwater Horizon“ lautstark in de Raum zu blasen: Klangfülle, Volumen und Spielfreude wussten bei der Bohrinsel-Explosion durchaus Eindruck zu schinden, die Schockdynamik ausgewachsener Lautsprecher-Sets konnte die LG verständlicher-weise nicht freisetzten – aber das schafft keine Soundbar. Wer den lärmempfindlichen Nachbarn fürchtet, kann den „Night“-Modus aktivieren, der Pegelsprünge, aber auch Bässe reduziert. Der Nachtmodus funktioniert allerdings nicht bei nativem Atmos-Ton, dann wird die Wahl sämtlicher Klangprogramme verweigert. 

Toneffekte setzte die Bar auf der Front recht präzise und weit über Gehäuseabmessungen hinaus um, seitlich neben dem Hörplatz war dagegen nur marginal was zu hören – und dann auch nur als Klangwolke. Im Rücken herrschte Stille. Die Atmos-Fähigkeiten testeten wir mit unseren Lieblings-Democlips „Audiosphere“, „Amaze“ und „Leaf“ – mit durchwachsenem Ergebnis: Höheneffekte projizierte die Bar etwas nach vorne Richtung Zuhörer gerückt und etwa auf halber Zimmerhöhe in den Raum, das richtige „Sound über dem Kopf“-Erlebnis konnten wir, zumindest in unserer Hörumgebung, nicht erzielen – selbst dann nicht, wenn wir den Abstand unseres Sitzplatzes zur Bar variierten.

Die Sprachverständlichkeit war dagegen auch aus stark seitlichen Winkeln ausgezeichnet, Dialoge verfärbten nur minimal verglichen mit der frontalen Hörposition. Stärkere Auswirkungen verursachen die Klangprogramme, die nicht nur die Räumlichkeit, sondern auch die Klangfarben verändern, tonal aber nie das Gehör beleidigen. Die Programme „Movie“ und „Bass-Blast“ sind dabei für den Upmix von Stereo- und Mehrkanalton auf 3D-Sound zuständig.

Auch als Abhörbasis für Stereo-Musik macht die SJ9 eine gute Figur und profitiert von der angenehmen Abstimmung. Orgelmusik schallte im „Movie“-Modus erstaunlich erwachsen, mit Chor- oder Jazz-Gesang machten sich bei Stimmen jedoch Verfärbungen im Mitteltonbereich  bemerkbar. Mit Pop und Rock fällt dieser Aspekt allerdings weit weniger ins Gewicht, die luftige und dynamische Spielweise machte uns rundum Spaß. Räumlich erstreckte sich das Klanggeschehen zwar kaum über die Breite der Bar hinaus, deutlich mehr haben hier aber meist nur ausgewachsene Stereo-Lautsprecher zu bieten.             

bewertung

Der Testbericht LG SJ9 (Gesamtwertung: 76, Preis/UVP: 1000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2017 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

76 gut

LGs Soundbar SJ9 punktet mit feiner Optik, vielseitiger Ausstattung samt Wireless-Subwoofer und angenehmem Klang bei Film und Musik. Bei Atmos-Toneffekten muss man allerdings einige Abstriche machen.
Andreas Oswald

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